Tanjas Reisebericht: Eine Safari mit Planänderung, Schimpansen und ziemlich viel Magie

Tanjas Reisebericht: Eine Safari mit Planänderung, Schimpansen und ziemlich viel Magie

23. Juni 2026
10 min

Es gibt Reisen, die laufen genau so ab, wie sie geplant wurden. Und dann gibt es Reisen, bei denen Tansania offenbar findet: schöner Plan, aber ich hätte da noch eine andere Idee. Tanjas Reise in den Westen Tansanias im August 2024 gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Eigentlich begann alles mit einem Wunsch, der ziemlich klar war: Schimpansen sehen. Nicht irgendwo im Zoo, nicht aus sicherer Distanz hinter einer Scheibe, sondern dort, wo sie wirklich leben. Im Wald. In Gombe. Am Tanganjikasee. An einem Ort, der schon beim Namen ein bisschen nach Abenteuer klingt und spätestens bei der Anreise zeigt, dass man hier nicht einfach auf der klassischen Safari-Route unterwegs ist.

Doch bevor Tanja überhaupt in Tansania ankam, musste ihre Reise mehrmals angepasst werden. Zuerst wurde nach der Buchung ein Inlandflug gestrichen, wodurch die Route neu organisiert werden musste. Einige Monate später kam die nächste Änderung: Einer der geplanten Parks war wegen Überschwemmungen nicht mehr zugänglich. Kurz vor der Abreise änderte sich auch noch der Hinflug, wodurch ein zusätzlicher Aufenthalt in Paris nötig wurde. Aus dem ursprünglichen Reiseplan wurde dadurch ein bewegliches Puzzle aus neuen Optionen, neuen Wegen und neuen Entscheidungen.

Niemand freut sich, wenn eine Reise, auf die man sich lange vorbereitet hat, plötzlich umgestellt werden muss. «Zuerst war eine gewisse Enttäuschung da, dann bald die Erkenntnis, dass es auch eine Chance sein kann, noch etwas anderes zu sehen», erinnert sie sich. Dank der engen Begleitung durch Tru Safari und der direkten Beziehungen zu lokalen Partnern vor Ort wurde aus den Änderungen am Ende doch wieder eine unvergessliche Reise.

Anfahrt mit dem Boot

Der Start in den Westen beginnt mit wenig Schlaf und viel Wasser

Nach der Ankunft in Dar es Salaam blieb Tanja und ihre Begleitung zunächst nur eine kurze Nacht im Hotel. Bereits am nächsten Morgen ging es früh weiter: Transfer zum Flughafen, Kleinflugzeug nach Kigoma, kurze Fahrt zum Hafen und anschliessend mit dem Boot über den Tanganjikasee zum Gombe Nationalpark.

Das klingt auf dem Papier nach vielen Etappen. Für Tanja war es aber genau dieser Weg, der den Einstieg besonders machte. «Die Anreise nach Gombe per Boot war ein perfekter Start für die Tage dort», erzählt sie.

In Gombe wurde Tanja von ihrem persönlichen Guide begleitet. Auf dem Programm standen mehrere Schimpansen-Trekkings, Wanderungen durch den Nationalpark und eine Kanufahrt auf dem Tanganjikasee. Ihre Unterkunft, die Mbali Mbali Gombe Forest Lodge, lag direkt am See, mitten in dieser Mischung aus Wald, Wasser und Wildnis.

Für Tanja war Gombe einer der stärksten Teile der Reise. «Die Gegend von Gombe ist einzigartig, das beginnt bei der Anreise, welche sich mehr als gelohnt hat. Man fühlte sich nicht als Tourist, sondern als Gast.»

Dieser Satz beschreibt ziemlich gut, was Gombe besonders macht. Es ist nicht die Art von Safari, bei der man von Sichtung zu Sichtung fährt. Es geht weniger um Tempo und mehr um Präsenz. Man ist zu Fuss unterwegs, hört den Wald, folgt Spuren, wartet, beobachtet. Und dann kann plötzlich etwas passieren, das man nicht planen kann.

Bei Tanja war es unter anderem ein Schimpansenbaby, das auf sie zurannte und kurz erschrak, als es sie bemerkte. Eine grosse Schimpansenfamilie, die nur etwa zwei Meter vor ihr lautstark über den Weg lief. Eine Schimpansenmutter, die mit ihrem Baby auf dem Rücken aus einem Fluss trank.

«Eigentlich alle Begegnungen mit den Schimpansen, das ist kind of magic.» Mehr Pathos braucht es an dieser Stelle nicht. Wenn wilde Schimpansen so nah vor einem durch den Wald ziehen, ist «kind of magic» ziemlich treffend.

Ein Schimpansenmoment in Gombe

Und dann waren da noch die Paviane

Natürlich besteht Wildnis nicht nur aus eleganten Momenten und tiefen Blicken in die Natur. Manchmal besteht Wildnis auch aus Pavianen, die sich aufführen, als hätten sie den Mietvertrag der Lodge unterschrieben.

Tanja beschreibt es mit Humor: In der Lodge fühlte man sich wegen der frechen Paviane fast ein bisschen wie im «Käfig». Verständlich sei es natürlich trotzdem gewesen.

Genau solche Details machen eine Reise greifbar. Denn wer mitten in der Natur wohnt, bekommt nicht nur Sonnenuntergänge und Schimpansen, sondern auch den Alltag der Tiere mit.

Abgeschiedenheit, Ruhe und ein bisschen Jane Goodall

Boot auf dem Tanganjikasee bei Gombe

Was Tanja an Gombe besonders berührte, war nicht nur die Tierwelt. Es war auch die Stimmung. «Das war etwas vom Schönsten an der ganzen Reise, die Abgelegenheit und die Ruhe.»

In Gombe gibt es nicht das Gefühl, Teil einer grossen touristischen Bewegung zu sein. Es hat wenige Besucher, die Atmosphäre ist persönlich, fast familiär. Tanja spürte die Freude und den Stolz der Guides deutlich. Man zeigte ihr nicht einfach einen Nationalpark, sondern einen Ort, der Bedeutung hat.

Dazu gehört auch der Bezug zu Jane Goodall. Gombe ist weltweit mit ihrer Arbeit und der Erforschung der Schimpansen verbunden. Für Tanja machte das den Aufenthalt noch eindrücklicher. Man bewegt sich an einem Ort, der für Naturschutz, Forschung und unser Verständnis von Schimpansen enorm wichtig ist.

Und trotzdem blieb die Reise leicht. Es gab Gespräche, Begegnungen, Abendstimmungen, Humor. Tanja erinnert sich an ihren kleinen Suaheli-Sprachkurs, dessen Begriffe bis heute im Alltag auftauchen. An lustige Konversationen mit Sixtus, ihrem Guide in Gombe. An Begegnungen mit Mitarbeitenden der Lodge. Und an den Kauf von Fischen mitten auf dem See am Tag der Abreise von Gombe nach Kigoma.

Bis heute schwingt etwas von dieser Haltung nach. Dieses leise, beständige «Pole Pole» ist für sie mehr als nur eine Erinnerung geworden – eher ein innerer Kompass, der sie immer wieder daran erinnert, Tempo herauszunehmen, bewusst wahrzunehmen und auch im hektischen Alltag Momente von Ruhe und Gelassenheit zuzulassen. Die Reise hat Spuren hinterlassen, nicht laut, aber nachhaltig.

Schimpansen im Wald von Gombe
Schimpansen im Wald von Gombe
Schimpansenfamilie im Gombe Nationalpark
Schimpansenfamilie im Gombe Nationalpark
Blueball Monkeys in Gombe
Blueball Monkeys in Gombe
Willkommen in der Mbali Mbali Gombe Forest Lodge
Willkommen in der Mbali Mbali Gombe Forest Lodge
Abendstimmung am Seeufer
Abendstimmung am Seeufer

Von Gombe nach Katavi. Oder: Ja, dieser Transfer ist lang.

Nach den Tagen in Gombe ging es weiter Richtung Süden. Erst mit dem Boot zurück nach Kigoma, dann mit dem Fahrzeug in Richtung Katavi Nationalpark. Im Reiseprogramm war der Transfer mit etwa sieben bis acht Stunden angegeben. Also nicht gerade ein kleiner Spaziergang.

Tanja gibt ehrlich zu, dass ihr dieser Transfer im Voraus etwas Sorgen bereitete. Gerade bei einer abgelegenen Route ist das nachvollziehbar. Man fragt sich: Wie sind die Strassen? Wie anstrengend wird es? Ist das gut machbar?

Guides auf dem Boot

Was sie dabei schätzte: Es wurde im Voraus klar kommuniziert, wie lange die Fahrt dauert und in welchem Zustand die Strassen ungefähr sind. Vor Ort waren die Bedenken dann schnell beseitigt. «Das Fahrzeug für den Transfer war top gewartet und unsere Bedenken waren unbegründet.»

Wenn Gombe Wald, See und Schimpansen war, dann war Katavi Weite.

Tanja beschreibt es so: «In Katavi spürten wir «Afrika» besser mit der Weite. Das kam der «klassischen» Safari näher.» Der Katavi Nationalpark ist einer der abgelegeneren Parks Tansanias, bekannt für offene Ebenen, Wildnis und deutlich weniger Besucher als die bekannten Routen im Norden.

Hier standen ganztägige Pirschfahrten auf dem Programm. Früh morgens ging es hinaus, durch weite Landschaften, zu Wasserstellen, durch Savannen und zurück zur Mbali Mbali Katavi Lodge. Die Region wirkt ursprünglicher, langsamer, weniger inszeniert.

Und dann waren da noch die «Blueball Monkeys», denen sie in Katavi begegneten. Eine dieser Begegnungen, die man so nicht erwartet – und die genau deshalb in Erinnerung bleibt. Tanja war fasziniert von diesen auffälligen, fast schon ein wenig exzentrisch wirkenden Tieren, die mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und überraschender Dynamik durch die Bäume ziehen. Mal würdevoll sitzend wie kleine Denker, im nächsten Moment schon wieder ganz selbstverständlich an einem anderen Ast – als hätten sie ihre ganz eigene Logik. Eine Begegnung, die ihnen mehr als einmal ein Schmunzeln entlockte.

Gombe war für Tanja «unique». Katavi war das Safari-Gefühl mit Ferne. Zusammen ergaben diese beiden Orte eine Reise, die nicht einfach “Tansania” zeigte, sondern zwei sehr unterschiedliche Seiten des Landes.

Elefant im Katavi Nationalpark
Elefant im Katavi Nationalpark
Leopard auf einem Baum
Leopard auf einem Baum
Krokodil im Katavi Nationalpark
Krokodil im Katavi Nationalpark
Sundowner in Katavi
Sundowner in Katavi
Flusspferde im Katavi Nationalpark
Flusspferde im Katavi Nationalpark
Unterwegs mit dem Team in Katavi
Unterwegs mit dem Team in Katavi

Der Flug, der offenbar auch noch ausschlafen wollte

Am Abreisetag aus Katavi zeigte sich nochmals, warum Flexibilität auf einer solchen Reise nicht einfach ein netter Zusatz ist, sondern manchmal Gold wert.

Die Crew stand extra für Tanja und ihre Begleitung um vier Uhr morgens auf, damit alles rechtzeitig für den Flug ab Mpanda bereit war. Dann stellte sich in letzter Sekunde heraus: Der Flug hatte mehrere Stunden Verspätung.

Das hätte nun ein sehr langer Vormittag an einem kleinen Flugplatz werden können. Wurde es aber nicht. «Die ganze Crew zeigte sich äusserst flexibel und wir gingen alle wieder ins Bett. Wir waren unglaublich froh, die langen Stunden der Warterei nicht am Flugplatz verbringen zu müssen.»

Dass man sich in Tansania umeinander kümmert, zeigte sich auch bei ihren Guides: Beim Trekking in Gombe war Geduld gefragt. Besonders am ersten Tag dauerte es einige Zeit, bis sich die gewünschten Begegnungen ergaben. Ihr Guide blieb dran, sagte Tanja: «Sixtus hat nie aufgegeben und wir wurden so belohnt.»

Gleichzeitig passte er das Trekking an ihre Bedürfnisse und körperliche Fitness an. Das ist gerade bei Schimpansen-Trekkings wichtig. Es geht nicht darum, möglichst sportlich durch den Wald zu hetzen, sondern darum, ein intensives Erlebnis sicher und passend zu gestalten.

Auch Barack in Katavi beschreibt Tanja als «super». Insgesamt fühlte sie sich willkommen, gut betreut und gleichzeitig frei. «Man fühlte sich willkommen und man konnte einfach geniessen und sich selbst sein.»

Für Tanja war es eine «super Mischung zwischen Professionalität und afrikanischer Kultur».

Sollten jetzt alle eine Safari im Westen Tansanias planen?

Eine Reise nach Gombe und Katavi ist keine klassische Erstlingsroute für alle, die einfach «mal Safari machen» möchten. Tanja sagt selbst: «Gombe hat nichts mit einer «normalen» Afrika-Safari zu tun.»

Und genau deshalb sollte man sich vorher gut überlegen, was einem wichtig ist. Möchte man möglichst bequem möglichst viele bekannte Orte sehen? Dann gibt es andere Routen. Möchte man Schimpansen in ihrem Lebensraum erleben, abgelegene Regionen entdecken und Ruhe statt Dichte? Dann kann der Westen Tansanias genau richtig sein.

Tanja rät, sich vorab bewusst zu machen, wo die eigenen Prioritäten liegen. Auch körperlich kann eine solche Reise anspruchsvoll sein, je nach Fitness und Tagesprogramm. Die Trekkings sind erlebnisreich, aber sie sind eben Trekkings. Die Transfers sind Teil der Reise, aber nicht immer kurz. Die Abgelegenheit ist wunderschön, aber sie bleibt Abgelegenheit.

«Wenn man aber die gleichen Bedürfnisse hat, wie wir es hatten, dann ist es nicht zu kompliziert und schon gar nicht zu abenteuerlich. Was natürlich auch mit der guten Organisation zusammenhängt.» Ihr Fazit fällt entsprechend klar aus: «Wir fühlten uns immer und jederzeit bestens betreut und aufgehoben.»

Was am Ende bleibt: Kind of Magic!

Sonnenaufgang auf einer Pirschfahrt im Katavi Nationalpark

Tanjas Reise war keine perfekte Hochglanzgeschichte, bei der alles exakt so kam, wie es ursprünglich geplant war. Es gab Planänderungen, neue Routenentscheide, eine kurzfristige Flugänderung, einen langen Transfer, freche Paviane und einen verspäteten Flug ab Mpanda.

Aber genau deshalb ist diese Reise so erzählenswert.

Denn sie zeigt, was individuell geplantes Reisen mit einem spezialisierten Reisepartner an der Seite wirklich bedeutet. Nicht, dass nie etwas passiert. Sondern dass man offen kommuniziert, Alternativen findet, gute Partner vor Ort hat und aus Veränderungen keine Krise macht, sondern einen neuen Weg.

Und vielleicht liegt genau darin auch ein Stück «Hakuna Matata». Nicht im Sinne von «alles ist perfekt», sondern als Haltung, Dinge so anzunehmen, wie sie kommen – mit Gelassenheit, Vertrauen und einer Portion Leichtigkeit. Probleme werden nicht grösser gemacht, als sie sind, sondern lösen sich oft im Weitergehen.

Am Ende blieb bei Tanja nicht die Erinnerung an Umstände, sondern an Schimpansen im Wald, Abendstimmungen in Gombe und Katavi, Humor mit den Guides, Fische auf dem See, Weite, Ruhe und das Gefühl, gut aufgehoben gewesen zu sein.

Oder, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: «Wenn ich an die Reise zurückdenke, werde ich gleich wieder etwas melancholisch.»

Und vielleicht ist das eines der schönsten Komplimente, das man einer Reise machen kann.

Vielen Dank, Tanja, dass du deine Erlebnisse mit uns geteilt hast!

Manuela
Manuela
Pole! Pole!

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